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Michael Wagner verschlüsselt die vielfältigen Mitteilungen seiner Bilder. Nicht alles, was ihnen an Aussagen und thematischen Bezügen immanent ist, wird vom Künstler auch sichtbar gemacht. Den langwierigen Prozeß der Bildfindung den er durchlebt, kann man ohnehin nicht darstellen.

Das Spektrum seiner Arbeiten reicht von sensiblen, fast melancholischen Bildern nahe einem Berliner Sensualismus, über traumhafte, ja, beinahe visionäre Malerei, auf denen sich oft nur Schemen von Figuren befinden, bis hin zu gewaltigen Farb- und Formexplosionen, in denen sich das Informel Raum greift.

Diese Ambivalenz des stilistisch Möglichen, setzt sich für meine Begriffe auch innerhalb einzelner Bilder noch fort. Beziehungsweise wird vielleicht auch daheraus erklärbar. Sehr genaue Darstellungen stehen neben Formauflösungen. Figuren werden von undifferenzierten Farbfeldern eingeschlossen und prononciert. Es hat den Anschein, als konkurrierten hier die bildnerischen Varianten miteinander. Als lägen damit bereits an der Bildoberfläche verschiedene Standpunkte des Künstlers im Widerstreit.

Bei Wagner scheint der Widerspruch provozierend, nachgerade wie ein dramaturgisches Mittel dem Kunststück Bild dienlich zu sein. Es gelingt ihm jedenfalls, mittels einer gestalterischen auch eine inhaltliche Verdichtung im Bildgeviert hervorzurufen. Der Maler Michael Wagner arbeitet dafür mit einer überaus symbolhaften Bildsprache. Es gibt in ihr viele Andeutungen und ikonografische Hinweise. Doch entsprechen diese vor allem den Intensionen des Künstlers selbst. Sie scheinen mir weitaus weniger dazu geeignet, veraltete kunsthistorische Muster neu zu beleben. Verbundene Gesichter, Clowns in Priestergewändern sind für mich moderne Sinnbilder. Neue Symbole sind gefunden.

Figuren und Gegenstände werden alsdann auf ihre Vieldeutigkeit hin ausgelotet werden müssen. Dem Betrachter bleibt es erlaubt, sich mit eigenen surrealen Assoziationen an der Entschlüsselung der Bilder zu beteiligen.

Wagners oft magisch wirkender Realismus, läßt neben dem Thema und der Vorstellung die er selbst vertritt, genügend Platz für die Phantasien und Erklärungsversuche des Betrachters. Das Verweben verschiedener Handlungen und Einzelheiten wird, verbunden mit der angedeuteten gestalterischen Vielfalt, zu einem Reigen aus Visionen, Ideen, Erlebnissen und Tatsachen.

Die Malerei von Michael Wagner bezeugt die Offenlegung von Gefühlen in der Kunst. Angst und Freude, Sinnlichkeit und Gewalt zeigt sich in eindringlichen Werken. Dies alles drückt Wahrhaftigkeit aus, das in meinen Augen einzige Maß für gute Kunst.

 

Stefan Skowron p.

Aachen, im Februar 1995

 

 

English

Michael Wagner encodes the various meanings of his pictures. Not everything, which is inherent in statements and thematic references is made visible by the artist. It is not possible to depict the lengthy process which Wagner lives through to create a picture. The spectrum of his work ranges from sensitive, almost melancholy images reminding one of Berlin sensuality to dream like, almost visionary painting, in which one often finds only shadows of figures, on to powerful explosions of color and form, into which the informal spaces themselves reach.

This ambivalence of the stylistic possibilities still continues, in my opinion, within individual pictures as well. Taking this into account perhaps makes them more accessible. Very exact representations are juxtaposed to the dissolution of form. Figures are enclosed and illuminated by undifferentiated fields of color. It has the appearance, as if here the sculptural variants compete with each other. As thereby different points of view of the artist would already lie in the conflict at the picture surface. With Wagner the contradiction seems provocative. He, in fact, actually uses a dramatically technical means to achieve this clever trick image. He succeeds, in all events, to evoke through a creative consolidation also a contentwise consolidation within the boundaries of the picture.

Michael Wagner the painter works for that reason with a language of images exceedingly rich in symbols. In this language there are many allusions and iconographic references. These are consistent above all with the intentions of the artist himself. They seem to me by far less suitable to revive out-of-date examples of art-history. To me connected faces, clowns in priestsgarb are modern symbols. New symbols are found.

Figures and articles will have to be plumbed on their ambiguity. The viewer is still allowed to take part in the decoding of the images with his/her own surreal associations.

Wagners often magic acting realism, which is shaped by his own theme and conception, allows, enough space for the fantasies and interpretations of the observer. The interweaving of different plots and details combined with the suggested artistic diversity, becomes a round-dance of visions, ideas, experiences and facts.

The painting of Michael Wagner bears witness to the disclosure of feelings in art. Fear and joy, sensuality and power show themselves in his provocative works. All of this expresses truthfulness, which in my eyes is the only measure of good art.